PyrografieVintage
 
kleine pyrøgraphie geschichte
Die erste Idee: Streichholz-Action-Portraits

Die Alternative: Wunderkerzen, Electric Sparklers, Feu Bengale
die frühe Anfangszeit
Lehrjahr '99: "Was soll das heißen, Sie erkennen sich nicht!?"
Basic Equipment

Tauschhandel
Fortgeschrittenes Studium der pyrografischen Künste
84 Sekunden
Zum ersten Mal wird hier das wohl behütete Zeichner-Archiv
einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Bilder und Tatsachen
aus der Entwicklungsgeschichte, die wir bisher aus unter-
schiedlichen Gründen unter Verschluß gehalten haben,
werden nun getreu den wahren Gegebenheiten erstmalig
aufgeführt. Zusammen mit den Logbucheinträgen On Tour
ergibt sich nun ein vollständiges Bild von ZEICHNER und
zugleich eine eindrucksvolle Illustration, wie weit eine Idee
gehen kann.

aus dem Duden:

pyrøgraphie (frz/dt): besondere Zeichentechnik mit Wunder-kerzen (oder anderen explosiven Stoffen) auf leicht entflammbaren Untergründen (wie beispielsweise Papier). 1999 im Rahmen des Weimarer Kulturstadtjahres von der Künstlergruppe "Zeichner" entwickelt. Der Begriff wurde geprägt von einem anonymen, französischen Passanten in Lorient / Bretagne. pyro- (gr.): explosiv, brennbar

-graphie (gr.): Wortteil bei der Bildung von weibl. Substantiven mit der Bedeutung 1.Wissenschaft, Beschreibung 2. Geschriebenes 3. Schreiben. Zeichnen

Man nehme zwei Streichhölzer, brenne sie vor den Augen des verwunderten Modells ab und kratze mit dem Rest Kohle ein Porträt aufs Blatt.

Das Problem: man sieht kaum etwas, und es ist in etwa so spektakulär wie Onkel Wickert im Sommerloch.

Zum Vorteil für unsere Geschäftsidee und zum Nachteil
für unsere Fingerkuppen, Lungenflügel und Augäpfel
hatten wir aber gleich zu Anfang schon eine Alternative
in petto: Man nehme eine Wunderkerze und zeichne mit raschen Strichen das Porträt auf ein Blatt ohne das Papier oder das Modell dabei abzufackeln.

Es stellte sich heraus, daß eine Wunderkerze nur ca. 42 Sekunden brennt, und auch, daß Wunderkerze nicht gleich Wunderkerze ist, wie diese beiden Bilder zeigen: Links eine schwierige Polar-Wunderkerze, rechts eine Fernost-Wunderkerze Marke Höllenschlund.
am 17.05.1999 brannten zwei ZEICHNER zum ersten Mal in der westlichen Kulturgeschichten das Porträt eines einfachen, handelsüblichen Menschen mit einer einfachen, handelsüblichen Wunderkerze in ein einfaches, handelsübliches Blatt Papier. Dieser Vorgang dauerte durchschnittlich 42 Sekunden. Das Porträt kostete 3,- DM. Aufgrund des mangelnden Könnens waren die Porträts der frühen Anfangszeit von riesigen Brandlöchern übersäht und sahen den Porträtierten nur äusserst selten ähnlich. Es kam auch vor, dass ganze Blätter vor den Augen des Modells zu Asche brannten. Hauptkunden in dieser Zeit waren Bekannte von ZEICHNER, Weimarer Studenten, Professoren, Dozenten und Schulklassen, die unbedingt ein hässliches Porträt von ihrem Klassenlehrer für die Abizeitung haben wollten. Vielen Dank an die, die ZEICHNER in dieser schwierigen Phase unterstützt haben.
Ein erster Schritt in Richtung professionelles Zeichnen waren kleine Verbesserungen der Ausrüstung. Die ersten Verdienste wurden in besseres Equipment investiert, teilweise konnten Sponsoren gewonnen werden, die uns für einige Zeit mit Papier (30 Blöcke à 200 Blatt) und Wunderkerzen (30.000 Stück = 3K) versorgten. Die wichtigsten, inzwischen teilweise schon antiquierten Stücke, zeigen wir hier.
• nach bewährtem, asiatischen Vorbild angefertigte Zeichenbretter aus Holz. Klemme zum Befestigen der Blätter. Haltegurt.
Gasschweissbrenner mit einer maximalen Hitzeausgabe von 1300 Grad Celsisus. Entzündet die Wunderkerzen in einer Rekordzeit von unter 2 Sekunden.
Gürteltasche aus Leder.
Ideal zum aufbewahren des Materials. Transportieren den benötigten Handwerker-Spirit.
Wunderkerzen. Brennen gleichmässig, geringe Russ-Entwicklung, bröckeln selten und sind echte Handarbeit.
Schutzbrille. Spezialanfertigung mit gelben Nachtsichtgläsern. Schützt bei gelegentlich vorkommenden Wunderkerzen Staub-Explosionen. Gravur-Stempel
mit Zeichner-Internetadresse.
Zeichner-Shirt in verschiedenen Ausfertigungen. Papier 120 gr pro Quadratmeter
Wer porträtiert werden will muss zahlen !! Das ist klar.
Das war schon immer so. Womit er zahlt, ist jedoch ihm überlassen. Jeder soll pyrographiert werden können, egal wieviel Scheine oder Nicht-Scheine er im Portemonnaie hat.
Dazu hat ZEICHNER das schöne mittelalterliche (und leider seit Fall der Mauer viel zu sehr vernachlässigte) System des Tauschhandels aus den Geschichtsbüchern hervorgegraben. Im Tausch gegen Zeichnungen ist ZEICHNER besonders im Zuge der Europatour 2000 in den Genuss köstlicher Salate, spannender Geisterbahnbesuche, geschmackvoller Cocktails und eigensinniger Henna-Tatoo-Interpretationen des Zeichner-Logos gekommen. Wir haben es nicht bereut.

ALSO: Machen Sie uns ein Angebot. (z.B. wenn sie zufällig Kapitän der MS Berlin sind, schlagen Sie uns eine Karibik Kreuzfahrt als Tauschobjekt vor, oder so...)
So sehr man sich auch dagegen wehrt: wenn man eine
Weile bei derselben Sache bleibt, wird man zwangsläufig besser.

Dieses Problem stellte sich ZEICHNER folgendermaßen:
Sind die Porträts schlecht, dann geht es um die Action. Gut.

Werden die Porträts aber so langsam ähnlich und
ähnlicher, dann erwarten unsere hochverehrten Modelle,
daß sie tatsächlich genauso abgebildet werden,
wie sie aussehen. Besser noch: wie sie gern aussehen würden.

Hier die Crème de la crème der abgelehnten 42-Sekunden-Porträts
Die Unverkäuflichen. Wir sind uns natürlich sicher, daß die
Ablehner sich nachher und immer noch schwarzärgern. Wer seine
Oma/Opa, Freund/Freundin wiedererkennt, gewinnt das Porträt.
Einsendungen mit Foto.

Mit verstärkter Übung (Sessions mehrmals wöchentlich) und steigendem
Können verkümmerte der Trash-Faktor in den Bildern auf ein vertretbares
Mass. 42 Sekunden waren jedoch oft zu kurz um eine erkennbare Ähnlich-
keit zu erzeugen. Insbesondere unsere Amerikanischen Freunde
tendierten auch regelmäßig dazu, auf eine exakte Einhaltung der
Bedingungen (unter Verwendung von Stoppuhren) zu pochen.

Also entschieden ZEICHNER, die Zeit für ein Porträt auf 84 Sekunden
(also 2 Wunderkerzen) zu erhöhen. Das bringt den Adrenalinspiegel runter,
die Lebenserwartung hoch, und ein geschmeicheltes Lächeln auf die Züge
des beglückten Modells.

In Folge kletterte der Preis für ein Porträt von 3 auf 5 und schliesslich auf
9 Mark pro Porträt. Um sich bei Laune zu halten, entwickelten ZEICHNER
unterschiedlichste avangardistische Formen der Kunden-Aquise, die sich
zum Teil stark an der Grenze zum "brain-washing" bewegten.
"Hässliche Porträts für schöne Menschen."